Buchbesprechung: Was man von hier aus sehen kann | Mariana Leky

Was man von hier aus sehen kann

DuMont | 320 Seiten | Taschenbuch 14€ | Gebundene Ausgabe 24€

Irgendwo im Westerwald - Mariana Lekys weiser und warmherziger Bestsellerroman über ein Dorf in der Provinz und seine skurrilen Bewohner

Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman.
Was man von hier aus sehen kann ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe unter schwierigen Vorzeichen, Liebe, die scheinbar immer die ungünstigsten Bedingungen wählt. Für Luise zum Beispiel, Selmas Enkelin, gilt es viele tausend Kilometer zu überbrücken. Denn der Mann, den sie liebt, ist zum Buddhismus konvertiert und lebt in einem Kloster in Japan.


Vorab sei gesagt: Ich stehe humorvollen Büchern generell nicht unbedingt kritisch gegenüber. Natürlich ist mir klar, dass nicht jeder alles in gleichem Umfang lustig findet. Dennoch muss ich zugeben:

"Was man von hier aus sehen kann" war einfach überhaupt nicht meins.

Versteht mich nicht falsch - ich kann teilweise verstehen, weshalb man das Buch für klug geschrieben hält. Es wimmelt hier quasi von Metaphern, unterschwelligen Andeutungen und sicherlich kann man - für sich persönlich - auch die eine oder andere Sache daraus ziehen, die man auf das eigene Leben anwenden kann. Dass man nie weiß, wie viel Zeit einem noch gewährt ist, zum Beispiel. Aber hier fängt das Problem auch schon an.

Ich denke, ich kann in zwei großen Punkten zusammenfassen, weshalb Leky mich mit diesem Roman leider so GAR nicht abholen konnte.

Erstens: Die Binsenwahrheiten, die hier nett verpackt als absolutes Novum daherkommen sollen. Jedes Horoskop im lokalen Wochenblatt kann da mithalten. Natürlich weiß man als erwachsene Person, dass man unglücklich wird, wenn man einer Person über Jahre seine Liebe nicht gesteht. Oder dass man zuweilen das eigene Trauma in einer fast schon obsessiv anmutenden Religiosität ertränkt, statt dem Psychologen einen dringend benötigten Besuch abzustatten.

Und zweitens: Auf mich hat es vor allem eines gewirkt - gewollt. Und ganz besonders merkt man das an Lekys Art und Weise, mit Ach und Krach ein Lachen beim Leser zu provozieren. Versteht mich nicht falsch, an einigen Stellen habe ich durchaus geschmunzelt. Trotzdem stellt sich mir allen Ernstes die Frage, ob man als Erwachsener wirklich konstant das Gefühl haben sollte, ein Kinderbuch zu lesen, wenn man zu einem SPIEGEL Bestseller greift.

Dafür verantwortlich ist hauptsächlich Protagonistin Luise, die - wenn ich mich richtig erinnere - 22 Jahre alt ist und sich dennoch teils verhält wie ein noch sehr junger Teenager. Die ganze Geschichte wird mit zunehmendem Verlauf immer absurder, sodass ich auch ihre Handlungen immer weniger nachvollziehen konnte. Zudem hat sich mir die groß angelegte Metapher mit dem Okapi, welches ihrer Großmutter ab und an im Traum erscheint und ein Vorbote für ein schlimmes Ereignis im Dorf sein soll, bis jetzt noch nicht erschlossen. Dafür, dass dies ein zentrales Symbol der Geschichte sein soll, ist mir das alles einfach zu abgefahren und unschlüssig. Der Roman ist teilweise so abstrakt, dass ich komplett den roten Faden verloren habe und mich bis jetzt noch frage, was eigentlich Lekys Kernaussage in diesem Schriftstück ist - und ob diese nur an mir vorbeigegangen ist, oder es noch anderen Lesern so ergangen ist.

Zu 80% musste ich mich durch den nicht einmal besonders langen Roman quälen, und das spricht bei mir leider Bände. Bücher, für die ich Wochen oder Monate brauche, bedeuten für mich leider einen Fehlgriff. Trotzdem bin ich froh, dem Ganzen eine Chance gegeben zu haben, denn eine meiner liebsten Creatorinnen aus der Szene schwört darauf - und meist haben wir denselben Geschmack. Ausnahmen bestätigen aber wohl leider dann doch die Regel.

Offensichtlich hat "Was man von hier aus sehen kann" also durchaus seine Fans - davon zeugt nicht zuletzt die romaneigene Verfilmung (welche ich übrigens nicht gesehen habe, daher kann ich zur Umsetzung keine Aussage treffen). Vielleicht bin auch einfach ich selbst das Problem - es war mein erster Leky und ich denke, Stand jetzt auch erst einmal mein letzter. 

Leider spiegelt sich das auch in meiner Bewertung wider - ich vergebe für das Buch 3/10 Punkten.

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